Geschichte
Bio
FORMLING
EINE KURZGESCHICHTE
von James M. Waugh
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Ja, die KMs waren der Grund dafür, dass Walden Briggs sich nun in der Ressourcenabbau-Kolonie auf dem kargen Mond hoch über Roxara wiederfand - scheinbar Lichtjahre entfernt von Korhal IV oder allem, das an seine Definition von Zivilisation heranreichen würde. Zumindest dachte er das, als er, links-rechts-links-rechts, mit vier weiteren Marines des Zeta-Squadrons in den schweren CMC-300-Kampfrüstungen auf die mineralienreichen Höhlen in einem guten Dutzend Kilometern Entfernung zumarschierte.
Roxaras Mond war der wohl am wenigsten reizvolle Ort in der ganzen Galaxie, nichts als Staub und Felsen unter einer Leinwand aus funkelnden Sternen. Nun ja, nichts als Staub, Felsen, Sterne und eine Riesenladung heiß begehrter Ressourcen.
"Hey, Jenkins", sagte Hendrix. Die Stimme tönte dumpf aus dem Kommunikator in seinem Helm. "Ich hab da noch einen für dich."
"Oh, jetzt kommt's wieder", unterbrach ihn Wynne mit seinem dumpfen Kichern.
"Wehe, der is' wieder nicht witzig", sagte Jenkins, während er die weite Ebene scannte, die sich vor ihm erstreckte. In der Ferne konnte er Raffinerieanlagen und andere Gebäude in diversen Stadien ihrer Bauphase ausmachen. Es glich einer skelettierten Stadt, unfertige Gerüste: nur die Knochen, von dem, was einmal sein könnte.
"Schluss mit dem Gequatsche, Jungs. Wir haben hier Alarmstufe Gelb. Diesmal könnte tatsächlich was dahinter sein." Noch bevor die Worte seinen Mund verließen, wusste Walden bereits, welche Reaktion er darauf bekommen würde. Für keinen von ihnen ergab irgendetwas an dieser Mission einen Sinn und dessen war er sich bewusst.
"Oh nein, der Sarge sagt was von Alarmstufe Gelb. Was sollen wir jetzt bloß machen?" Hendrix sparte nicht an Sarkasmus.
"Halt die Klappe, Hendrix", schnauzte Walden.
Roxaras Mond war der wohl am wenigsten reizvolle Ort in der ganzen Galaxie, nichts als Staub und Felsen unter einer Leinwand aus funkelnden Sternen. Nun ja, nichts als Staub, Felsen, Sterne und eine Riesenladung heiß begehrter Ressourcen.
"Komm schon, entspann dich, Sarge. Seit vier verdammten Jahren gab's keinen Zerg-Angriff mehr; und von den Protoss hat auch keiner mehr was gesehen. Und was das Kombinat angeht, die Drecksäcke sind nach all dem, was wir durch haben, auch keine wirkliche Bedrohung mehr. Ich meine, sonst hätten sie bestimmt was Besseres geschickt als das olle Zeta-Squadron mit diesem veralteten Konföderationsschrott, den wir Waffen und Rüstung nennen", fuhr Hendrix fort.
"'Veralteter Schrott'? Was für 'ne Untertreibung. Das ist ja noch ein Kompliment für den Müll, mit dem wir rumlaufen. Würde ja bedeuten, dass das Zeug tatsächlich irgendwann mal was getaugt hätte", fügte Jenkins mit seinem üblichen preisgekrönten Lächeln hinzu.
"Untertreibung? Was war 'n das noch mal?", fragte Wynne und kicherte.
"Ich raff nicht, wie die dich überhaupt ins verdammte Militär gelassen haben", erwiderte Brody, der Schrank der Gruppe. "Jetzt hört mal auf den Sarge und haltet das Maul, bevor ich nachhelfe." Brody war der einschüchterndste Kerl in jeder Gruppe, egal welcher er jemals angehörte hatte, und dessen war er sich bewusst.
"So gut war der Witz eh nicht", murmelte Hendrix kleinlaut.
Walden gefiel es, wenn Brody mit von der Partie war.
"Verglichen mit den Zerg sind diese kel-morianischen Mistkerle vielleicht nicht so gefährlich, das heißt aber nicht, dass sie unseren Ressourcenabbau hier nicht sabotieren können", sagte Walden. "Außerdem haben wir unsere Befehle und die werden wir wie brave, kleine Marines befolgen. Verstanden?"
Die Mission war simpel. Fünf Mitglieder des Zeta-Squadrons sollten sich zu den Höhlen bei Binion's Point begeben und sicherstellen, dass die Kel-Morianer dort keine Nuklearsprengladungen an den Prozessoren anbringen. Keine Herausforderung, wenn nicht sogar ungewöhnlich, dafür Militärs zu schicken.
""Aye-aye, Sir", antwortete Jenkins, ein Hauch von Sarkasmus blitzte in seinen dunklen Augen.
Die Mission war simpel. Fünf Mitglieder des Zeta-Squadrons sollten sich zu den Höhlen bei Binion's Point begeben und sicherstellen, dass die Kel-Morianer dort keine Nuklearsprengladungen an den Prozessoren anbringen. Keine Herausforderung, wenn nicht sogar ungewöhnlich, dafür Militärs zu schicken. Als der Trupp den Eingang der Höhle erreicht hatte, schwanden gerade die letzten Spuren des Tageslichts. Aus den langen Schatten der Space-Marines wurden Riesen, die verzweifelt versuchten, an den letzten Augenblicken des Sonnenlichts festzuhalten, bevor sie in alles verschlingender Dunkelheit untergingen.
"Haben wir dafür keine Scanner, Boss? Ich meine, es ergibt einfach nicht viel Sinn, dass wir den ganzen langen Weg hierher beordert wurden, um Höhlenforscher zu spielen." Hendrix spähte in das vor ihm liegende Dunkel.
"Passt mal auf, wenn sich da unten irgendwelche KMs rumtreiben, dann schicken wir eine Nachricht zurück nach Moria, dass wir keinen Spaß verstehen. Klar ist das keine normale Mission, doch ich kann die Logik schon kapieren", sagte Brody entschieden.
"Ich weiß nicht. Hendrix hat Recht, Brod: Da ist was faul", erwiderte Jenkins.
Walden wusste, dass Hendrix und Jenkins nicht ganz Unrecht hatten. Es handelte sich um einen ziemlich ungewöhnlichen Auftrag für ein Marine-Squadron, das von einem Planten abgezogen worden war, der einen Warpsprung weit entfernt lag. Nichtsdestotrotz, wenn Walden an eine Sache glaubte, dann war das die Terranische Liga. Sie war das, wofür er stand, das eine, auf das er vertrauen konnte. Natürlich wusste er alles über die Aufrührer, die Imperator Arcturus Mengsk als eine Art Tyrann sahen. Er wusste alles über Terroristenabschaum wie Jim Raynor und seine "Raiders". Doch nichts davon hatte für ihn jemals Sinn ergeben. Dies waren düstere Zeiten, beängstigende Zeiten, furchteinflößender als jede Einschränkung "bürgerlicher Freiheit" jemals sein könnte. Dies waren Zeiten, die nach einem starken Anführer verlangten, nach jemandem wie Mengsk.
Dies waren düstere Zeiten, beängstigende Zeiten, furchteinflößender als jede Einschränkung "bürgerlicher Freiheit" jemals sein könnte. Dies waren Zeiten, die nach einem starken Anführer verlangten, nach jemandem wie Mengsk.
Als Walden vor all diesen Jahren zum ersten Mal von Chau Sara erfahren hatte, war ihm das Herz in die Hose gerutscht. Er hatte sich auf Tarsonis befunden. Strahlend blauer Himmel. Perfekt. Er hatte im Bennetpark auf einer Bank gesessen und einen Artikel auf seinem Handy gelesen. Es handelte sich um einen Boulevardartikel über einen DJ, eine Frau, die sich aus den Slums im Südwesten von Tarsonis-Stadt erhoben hatte und zu einem der angesagtesten Acts des ganzen Planeten aufgestiegen war. Er konnte sich sogar noch an ihren Namen erinnern, DJ Atmosphere, und an ihr Foto, das ihn angesehen hatte, eine dunkelhaarige Schönheit hinter überwältigendem, blauen Mascara. Doch dann war ein blinkender, roter Schriftzug langsam über ihr Gesicht gekrochen: "Chau Sara von noch unbekannten Außerirdischen eingeäschert." Walden erinnerte sich, wie unwirklich es ihm erschienen war, als er die Worte gelesen hatte. "Außerirdische"? Eingeäschert?
Doch dann war ihm das Ausmaß des Ganzen bewusst geworden, es hatte ihn wie ein Schlag getroffen. Seine Knie hatten nachgegeben und er war von der Parkbank in das kühle, nasse Gras gesunken. Er hatte jemanden gekannt, der erst kürzlich auf den Planeten Chau Sara gezogen war, Rudy Russel, ein Freund aus seiner Kindheit, der als Satelliten-Mechaniker gearbeitet hatte - sein Kindheitsfreund, der eingeäschert worden war.
Es hatte nicht lange gedauert, bis ihn die Angst überkam - die Furcht, dass jeder Ort der nächste hätte sein können und dass niemand sicher war. Aus dieser Angst war eine Wut geworden, die seinen Körper ausfüllte, als ob ihm jemand heißen Kaffee direkt in die Venen geschüttet hätte. Jahre später hatte er sich dann gefragt, ob der ständig für Schlagzeilen sorgende Jim Raynor jemals diese Wut verspürt hatte. Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung waren ein Luxus, den man sich erst leisten konnte, wenn die Leute nicht länger die Worte "Zerg" oder "Protoss" fürchteten.
Deshalb war es egal, wie ungewöhnlich diese Mission zu sein schien, Walden würde die Logik dahinter nicht in Frage stellen.
"Jenkins, du wirst nicht fürs Hinterfragen bezahlt. Du wirst fürs Töten bezahlt. Verstanden? Gehen wir!", sagte Walden und schritt voran.
"Oh Mann, Sarge, ich hab nicht mal gewusst, dass die paar erbärmlichen Piss-Credits, die ich hierfür kriege, überhaupt als Bezahlung durchgehen." Jenkins lächelte und schaltete die Lampen ein, die an seinem Anzug befestigt waren. Brody schubste ihn von hinten, doch Jenkins hütete sich davor, sich zu revanchieren.
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Sie hatten sich in Zweiergruppen aufgeteilt, bis auf Hendrix, den Aufklärungsspezialisten, der alleine unterwegs war. Die Höhle war feuchtkalt und selbst in ihren unter Druck stehenden CMCs war die Luft noch dick. Es stank nach Kladdic-Moos, einer geruchsintensiven Pflanze, die auf diesem Mond heimisch war und dessen Höhlenwände überwucherte.
Sie suchten nun bereits seit einer gefühlten Stunde, indem jeder vorsichtig der digitalen Karte folgte, die ihn durch seinen zugeteilten Quadranten führte. Alle kamen sie zu dem Schluss, dass die Höhle leer war.
Er hatte gehört, dass Spione des Kombinats oft mit Nukleardetonatoren bewaffnet waren und sich bei Ergreifung selbst in die Luft sprengten - und dabei alle mitrissen. Barbaren.
"Bandai-Sieben an den Gockel … hier unten ist alles sauber, Sarge", sagte Wynne, als seine Scheinwerfer das Dunkel vor ihm durchschnitten, um nicht viel mehr als ein unbenutztes WBF zu offenbaren. "Mal abgesehen von diesem Gestank. Erinnert mich dran, nie wieder in eine Höhle mit diesem Dreckszeug zu gehen."
"Werd ich machen, Schnuckelchen", entgegnete Brody und boxte Wynne gegen die Schulter. "Aber ich dachte, der Geruch kommt von dir … Und jetzt komm. Hier ist nichts."
"Roger", rief Hendrix über den Kommunikator. "Hier ist auch alles sauber."
Walden und Jenkins kämpften sich in einem anderen Teil der Höhle voran. Walden hatte schon immer ein ziemlich gutes Pokerface gehabt, eines, gegen das Jenkins nicht setzen würde, doch in jenem Moment konnte Jenkins es sehr genau lesen. Waldens dichte, schwarze Augenbrauen waren so eng zusammengezogen, als ob sie sich aneinander festklammern wollten. Verwirrung! Genau, das bedeutet dieser Blick, dachte Jenkins. Der Sarge hat genauso wenig Ahnung wie der Rest von uns, was wir hier draußen sollen.
Walden biss die Zähne zusammen, als er merkte, dass Jenkins ihn beobachtete. "Sieh mich nicht so an. Sei einfach froh, dass du diesen tollen All-Inclusive-Urlaub auf dem schicken Mond hier ge..." Doch er wurde plötzlich durch das Geräusch fallender Steine, die einen Abhang hinunterrutschten, unterbrochen. "Wartet mal, Jungs. Vielleicht ist hier draußen doch noch einer."
"Wärmesignatur!", rief Jenkins und zielte mit dem Gaußgewehr in Richtung des Geräuschs. "Auf zwölf Uhr, in dem Loch. Vielleicht haben wir hier ja doch noch unseren KM. Komm raus da, Junge, denn glaub mir, du willst bestimmt nicht, dass ich zu dir da reinkomme."
Was auch immer die Steine losgetreten hatte, bewegte sich schnell. Die beiden Marines pirschten voran. "Zeta, Rendezvous hier an meiner Position."
"Jawohl, Sir", sagte Brody, dessen schneller Atem über den Kommunikator rauschte.
Waldens Puls schoss nach oben. Er hatte gehört, dass Spione des Kombinats oft mit Nukleardetonatoren bewaffnet waren und sich bei Ergreifung selbst in die Luft sprengten - und dabei alle mitrissen. Barbaren.
Ratten war der liebevolle Slang-Ausdruck für Militärrationen, die abgepackten Mahlzeiten, die jeder im Marine Corps als "Essen" akzeptieren musste.
Die Marines waren still vor lauter Anspannung, nur der Klang ihrer Herzen pochte in ihren Ohren. Walden atmete tief durch und schritt voran.
Und dort war es: Ein Schatten schwang sich über den Boden. Ohne Vorwarnung feuerte Jenkins eine Salve von Überschallprojektilen ab. "Stirb, du verdammter ..." Der Rest ging im donnernden Lärm der Schüsse unter.
"Feuer einstellen ... Feuer einstellen!", unterbrach ihn Walden. Jenkins gab den Abzug wieder frei.
"Alarmierung abbrechen." Walden richtete seine Scheinwerfer auf das, was Jenkins beschossen hatte: eine Zickschnecke, groß, schleimig und in den Höhlen der Monde von Roxara heimisch. Jetzt war sie nicht viel mehr als zerfetztes Fleisch.
"Voll ins Schwarze, Jenkins", sagte Walden. Danach sprach er über den Kommunikator: "Nichts weiter als eine von diesen Z-Schnecken. Dachte, sie hätten alle Lebensformen beseitigt, bevor sie mit dem Ressourcenabbau begonnen haben ... Kein Grund zur Sorge."
"Verflucht. Das arme Ding hat sich wohl mit den falschen Marines angelegt", sagte Jenkins im Versuch, seine Verlegenheit zu überspielen.
"Vollidiot", kicherte Wynne über den Kommunikator.
""Alles klar, Männer, wir gruppieren uns neu bei Alpha Neun Tango. Sieht so aus, als könnten wir früher nach Hause, um uns ein paar leckere Ratten zum Abendessen zu gönnen. Binion's Point ist offiziell sauber." Ratten war der liebevolle Slang-Ausdruck für Militärrationen, die abgepackten Mahlzeiten, die jeder im Marine Corps als "Essen" akzeptieren musste.
"Warum grillen wir stattdessen nicht einfach was von der Z-Schnecke ... das verdammte Ding kann eigentlich nur besser schmecken", erwiderte Wynn. Dieses Mal war sein Kichern ansteckend.
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Hendrix wartete draußen bereits auf sie, sein bulliger Schatten schien sich im gespenstischen Leuchten des vom Planeten Roxara reflektierten Lichts zu winden.
"Na, das ist ja mal ein seltener Anblick, wenn ich das so sagen darf", murrte Brody schroff. "Ich hab ja noch nie gesehen, dass du nicht als letzter deinen faulen Hintern irgendwo rausbewegt hast."
Hendrix sah ihn einfach nur an. Wynne gackerte hinter Brody: "Verdammt, der war in seinem Leben noch nicht ein einziges Mal pünktlich."
Die Space-Marines stapften im Gänsemarsch, Walden übernahm die Führung, wie der Kopf einer blauen Neostahlraupe, die in die Nacht des trostlosen Mondes hineinkroch.
Endlich lächelte Hendrix und sagte kryptisch: "Witze", bevor er sein Visier hinunterschob und sein Gesicht verbarg.
"Vielleicht kann man einem alten Spezialisten doch neue Tricks beibringen ... Okay, wir sind hier fertig. Jenkins, du hast die Daten für den Bericht?" fragte Walden.
"Korrekt, Sir."
"Bewegung! Wir haben einen schönen Geländemarsch unterm Sternenhimmel vor uns." Walden begann mit dem Rückweg.
Die Space-Marines stapften im Gänsemarsch, Walden übernahm die Führung, wie der Kopf einer blauen Neostahlraupe, die in die Nacht des trostlosen Mondes hineinkroch.
"Hey, Hendrix, hast du nich' noch 'nen Witz für uns?", fragte Wynne und lachte dabei wie ein unartiger Schuljunge, der nur darauf wartete, den Hintern versohlt zu bekommen.
"Boah, Wynne ...", sagte Brody.
"Na, entschuldige, dass ich gefragt hab."
Die Kommandozentrale türmte sich in der Ferne auf. Nach dem viele Kilometer langen Geländemarsch dachte Walden, es könnte durchaus einer der schönsten Anblicke sein, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Drinnen angekommen erwartete das Zeta-Squadron die übliche Routine: Sicherheitskontrollen, Rüstung ausziehen und Entspannung.
Die Kommandozentrale türmte sich in der Ferne auf. Nach dem viele Kilometer langen Geländemarsch dachte Walden, es könnte durchaus einer der schönsten Anblicke sein, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Drinnen angekommen erwartete das Zeta-Squadron die übliche Routine: Sicherheitskontrollen, Rüstung ausziehen und Entspannung.
"Okay, Ladys. Ruht euch etwas aus. Wir brechen um 2700 auf. Ich werde die Daten an den Stab weiterleiten." Alle machten das Übliche, bevor sie getrennter Wege gingen. Sie waren eine Familie, eine ziemlich kaputte, aber nichtsdestoweniger eine Familie.
"Meint ihr, in dieser Kommandozentrale hier gibt's Poker?", fragte Wynne.
"Ich wette, das gibt's. Falls du spielst, bin ich dabei ... Ich könnte diese Woche eine kleine Gehaltsaufbesserung vertragen", erwiderte Jenkins.
Trotz der seltsamen Mission waren alle guter Dinge. Doch das war eigentlich nicht ganz richtig; Hendrix hatte eigentlich nicht mehr viel gesagt. Jetzt, da er weg war, ging diese Tatsache Walden gar nicht mehr aus dem Kopf, während er die metallischen Korridore entlang schritt. Es sieht ihm gar nicht ähnlich, so ruhig zu sein. Warum ist mir das nicht früher aufgefallen? Ich sollte morgen mal mit ihm reden. Vielleicht hat ihm die Mission etwas zu schaffen gemacht. Ein guter Sergeant muss mit seinen Männern auf einer Wellenlänge liegen und sich ab und an auch mal von einer etwas lockereren Seite zeigen.
Doch dieser Gedankengang verflüchtigte sich schnell, als er die Tür zu seiner Stube öffnete. Ihm gefiel die Tatsache, dass es in der Kommandozentrale Schlafkojen gab. Nichts war mit dem Gefühl der ersten Stunde vergleichbar, nachdem man den ganzen Tag in einem CMC-300 gesteckt hatte. Man fühlte sich wie neu geboren.
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Walden trug nur noch Boxershorts und T-Shirt und räkelte sich auf dem, was wohl als Bett durchging, während er auf einem Holobildschirm UNN schaute, den von der Terranischen Liga betriebenen Nachrichtensender. Es fühlte sich noch immer gut an, die Beine ausstrecken zu können ohne in Neostahl festzustecken, doch war er keineswegs ruhig. UNN-Reporterin Kate Lockwell berichtete über Jim Raynors jüngsten Terroranschlag. Der Bastard hatte eine Schule in die Luft gesprengt, alles im Namen des Widerstands gegen eine, wie er es nannte, "korrupte, imperiale Regierung, die ihre eigenen Bürger ausbeutet". Wie kann ein Mann nur damit leben, so etwas getan zu haben? Ich würde zu jeder Zeit ein imperiales Regime einem Terroristen vorziehen ... Und man stelle sich mal vor, dass ihn manche Leute einen Helden nennen. Raynors Gesicht schmückte den Bildschirm. Er sah anders aus als der Mann, der auf den Standardzielen der Schießbahnen der Liga abgebildet war. Er trug sein Haar länger und sein Gesicht vermittelte einen Eindruck, als ob die langen Jahre auf der Flucht ihre Spuren hinterlassen hätten: Er sah älter aus, vielleicht auch trauriger.
Raynors Gesicht schmückte den Bildschirm. Er sah anders aus als der Mann, der auf den Standardzielen der Schießbahnen der Liga abgebildet war. Er trug sein Haar länger und sein Gesicht vermittelte einen Eindruck, als ob die langen Jahre auf der Flucht ihre Spuren hinterlassen hätten: Er sah älter aus, vielleicht auch trauriger.
Ein lauter Schrei ließ Walden in eine aufrechte Sitzposition schießen. Einen solchen Schrei hatte er seit den Tagen des Brood War nicht mehr gehört. Tage, die er lieber vergessen würde. Er sprang von seinem Bett auf, gerade rechtzeitig, um auf den dumpfen Schlag gegen seine Tür zu reagieren.
Brody stürze direkt auf ihn, getränkt in Rot. Sein Bauch war aufgerissen und Blut trat heraus, Blut und Gedärme. Sein Gesicht war kreidebleich und er klammerte sich an Waldens Hemd fest, bis es zerriss.
"Oh, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße. Halt durch, Brody! Halt durch!" Walden kniete sich hin und schloss den zitternden Corporal in die Arme.
"Hendrix", konnte Brody noch herausbringen, "Hendrix ist nicht Hendrix. Er ist … er ist ..."
"Was ist er, Brody? Was?"
"Zerg", flüsterte er, seine Augen starrten nach oben, regungslos. "Zerg." Das Flüstern wurde sanfter und seine flache Atmung stoppte.
Zerg? Hendrix ist ein Zerg? Das ergab keinen Sinn. Doch dann rannten Wynne und Jenkins den Gang entlang.
"Sarge … der Reaktorkern. Das Ding ist im Reaktorkern. Komm schon." Beide hatten Flechettepistolen und waren auf Teufel komm raus darauf aus, ihre Beute zu jagen. Ohne zu überlegen rannte Walden hinaus und ließ seine Waffe zurück.
"Wir müssen Brody sofort auf die Krankenstation schaffen!", befahl Walden.
"Dafür ist es zu spät, Sarge: Er wird es nicht schaffen", sagte Jenkins. "Wir müssen verhindern, dass noch jemand so endet."
"Was zur Hölle jagen wir?", fragte Walden keuchend, sein Puls beschleunigte.
"Hendrix ist nicht Hendrix. Wir waren gerade mit einer Runde Poker durch, als wir ihn unten im Kommandoraum erwischten, wie er Sicherheitscodes scannte." Jenkins sprudelte alles heraus, während er im Tempo eines Spitzenathleten rannte. "Als ich fragte, was zum Geier er da treibt, hat er sich einfach umgedreht und gelächelt und ist dann wegmarschiert. Da hab ich ihn am Arm gepackt und er hat mich geschlagen ... so einen Hieb hab ich noch nie abbekommen." Damit hatte er nicht gelogen. Über Jenkins Auge schwoll eine dicke Beule.
"Er ist weggerannt. Brody … Brody, er hat ihn sich gepackt", gab Wynne zu verstehen. "Dann hat er … oh, Scheiße ... er ... Hendrix hat sich verändert. Er war nichts weiter als Schleim und Gedärme, wie ein Mensch, den man von innen nach außen gestülpt hat. Er ... Es … es verwandelte seine Hand in einen Knochen ... wie ein Klinge ... und ... stach damit Brody in den Bauch."
Sie folgten einer blutigen Spur am Boden, doch dabei handelte es sich nie und nimmer um terranisches Blut, unmöglich. Es erstarrte zu dicken Klumpen aus violetter Protoplasmamasse, die die Sinne krank machte.
"Brody schaffte es aber, einen Schuss abzufeuern und hat das Ding getroffen. Er hat es verletzt und dann ist es davongelaufen", fügte Jenkins hinzu.
"Wo zum Henker ist der Sicherheitsdienst?", keuchte Walden.
"Die rüsten sich aus, Sarge. Haben was von Zerg gehört und danach gibt's nur noch CMCs und Gaußgewehre", antwortete Wynne. Diesmal war nicht der kleinste Hauch eines Kicherns in seiner Stimme.
Waldens Kopf schwirrte. Wie konnte Hendrix ein Zerg sein? Was würde er Brodys Frau sagen? Was zur Hölle erzählten die da?
Sie folgten einer blutigen Spur am Boden, doch dabei handelte es sich nie und nimmer um terranisches Blut, unmöglich. Es erstarrte zu dicken Klumpen aus violetter Protoplasmamasse, die die Sinne krank machte.
"Wir müssen das Vieh schnappen, bevor es entkommt", sagte Jenkins während sie um eine Ecke bogen, der Biomasse den metallischen Gang entlang bis zur Sicherheitstür folgend.
Wynne öffnete hastig die Tür. Drinnen lag inmitten einer Blutlache die frische Leiche eines WBF-Piloten. Seine leblosen Augen starrten sie an. Sein Bart war durchtränkt von seinem eigenen Blut und sein Gesichtsausdruck verriet Schock und Bedauern.
"Es ist da runter gelaufen", sagte Wynne und folgte der Spur bis zur Luke.
"Sarge, bleib du hier und bring die Sicherheitsleute schnell da runter, wenn sie eintreffen. Wir gehen ihm nach", verlangte Jenkins.
"Tut mir leid, Marine. Das wird nicht passieren", befahl Walden, obwohl jede Faser seines Selbst mehr als nur zustimmen wollte. "Jenkins, das ist meine Aufgabe. Zieh du dich zurück und sieh zu, dass die Sicherheitsleute wissen, dass Wynne und ich es in die Wartungstunnel verfolgen. Gib mir deine Flechettepistole."
"Jawohl, Sir", antwortete Jenkins und übergab seine Waffe.
Walden ging voraus und begann damit, die Leiter in die dunklen, nebligen Tiefen des Reaktorkerns hinunterzuklettern.
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Das Kreischen von unten war fast nicht auszuhalten. " KRIEEEEEEEEEEEEEEEEE, KRIEEEEEEEEEEEEEEEEE, KRIEEEEEEEEEEEEEEEEE!" Der Ruf eines verwundeten Tiers, das verzweifelt nach einem, irgendeinem Ausweg sucht. " KRIEEEEEEEEEEEEEEEEE!" Es war ein Zerg, okay, okay. Walden hatte genug Zeit gegen diese Biester kämpfend in Schützengräben verbracht, um es zu wissen.
Seine nackten Füße berührten den warmen Metallboden. Seine Zehen zischten, als würde er auf glühenden Kohlen laufen. Verdammter Fusionsprozess. Er hustete, erstickte fast am Dampf.
Ein lauter Schrei ließ Walden in eine aufrechte Sitzposition schießen. Einen solchen Schrei hatte er seit den Tagen des Brood War nicht mehr gehört. Tage, die er lieber vergessen würde.
"Die Zerg schlafen wohl doch nicht, wie man behauptet, Sarge. Sieht so aus, als wandeln sie jetzt unter uns." Wynne schritt mit erhobener Flechettepistole vorwärts und wartete darauf, bei der ersten Gelegenheit alles umzunieten. Doch seine Worte hingen weiterhin im Raum. Sieht so aus, als wandeln sie unter uns. Aus irgendeinem Grund schien das für Walden unmöglich.
"KRIIIIIIEEEEEEE!" Kam es von links? Nein, von rechts. Moment! VON VORNE! Mit voller Geschwindigkeit stürmte die Kreatur auf Wynne zu. Ihre Form war humanoid, sie hatte noch immer Hendrix' Merkmale, doch selbst durch den Dampf konnte man sehen, dass sich ihr Körper veränderte, wechselte, teils Mensch, teils Zerg: Es sah aus wie ein Mensch, der durch einen Fleischwolf gedreht worden und teils als Insekt wieder herausgekommen war. Wynne feuerte, nur um von der Kreatur auf den Rücken geworfen zu werden, bevor diese ihre Klinge mit einem lauten, animalischen Brüllen in seine Eingeweide rammte. Sie stach wiederholt zu, drehte die knöcherne Klinge wieder und wieder.
"Sarge! Oh, Scheiße, es tut weh. Abknallen! Abknallen! Runter von mir ... Sarge!" Wynne schrie, der Schmerz war nicht mehr auszuhalten.
Walden war wie gefroren, gelähmt durch das, was er da sah. Das kann nicht wahr sein. Das kann verflucht noch mal nicht wahr sein. Ich hab ihn hierher befohlen. Ich hätte ihn zurücklassen können.
"Ahhhhhhhhhh!", kreischte Wynne.
Dann meldete sich Waldens Vernunft wieder zurück und er betätigte den Abzug. Doch schoss er nicht auf den Zerg. Stattdessen feuerte er ein Projektil direkt in Wynnes Kopf, bereitete seinem Leiden ein Ende. Er konnte Wynne nicht auf diese Art sterben lassen. Er richtete die Flechettepistole auf den Zerg, der nun wieder flüchtete und in den Dampfschwaden verschwand.
Das Gesicht des Zerg starrte auf ihn zurück. Doch es war nicht mehr Hendrix' verzerrtes Gesicht ... es war Wynnes. Wynnes Antlitz blickte ihm entgegen, die Augen brannten sich in Waldens Seele, ein anklagender Blick. Walden konnte den Abzug nicht noch ein zweites Mal betätigen und Wynne ein zweites Mal töten. Unmöglich. Alles, was er in seinem Kopf hören konnte, war Wynnes gotterbärmliches Gekicher. Und dann war die Kreatur wieder im Dampf verschwunden, vom Nebel verschluckt.
Sie bewegte sich auf ihn zu, als ob sie - genauso gut wie er - wüsste, dass sie beide hier gefangen waren und dass nur einer von ihnen es lebend wieder hinaus schaffen würde. Er stählte sich, als sie kam. Das war es; deshalb war er überhaupt erst dem Marine Corps beigetreten: um dem entgegenzutreten, was ihm am meisten Angst machte.
Sein Herz fühlte sich an, als wolle es seine Rippen sprengen. Schhhhh, dachte er und versuchte, die schnellen Atemzüge, die aus seinem jetzt trockenen Mund strömten, zu unterdrücken. Schhhhh. Ruhig bleiben. Kontrolle bewahren. Walden kauerte sich zu einer Kugel zusammen, seine Pistole hielt er fest wie einen Sicherheitsgurt, als ob sein Leben davon abhängen würde. Und wahrscheinlich tat es das. Er konnte spüren, wie die große Lache aus Wynnes Blut, warm und feucht, auf ihn zufloss.
Es befand sich über ihm. Er wusste es. Es rutschte über die Gitterroste und glitt in seine Richtung. Wo war das Sicherheitsteam? Der Zerg kam zurück, um ihn zu holen. Bumm. Klong. BUMM! Er konnte sehen, wie die einzelnen Lichtstrahlen, die durch das Gitter fielen, nacheinander verschwanden und wieder auftauchten, als die Kreatur sich vorwärts bewegte. Sie bewegte sich auf ihn zu, als ob sie - genauso gut wie er - wüsste, dass sie beide hier gefangen waren und dass nur einer von ihnen es lebend wieder hinaus schaffen würde. Er stählte sich, als sie kam. Das war es; deshalb war er überhaupt erst dem Marine Corps beigetreten: um dem entgegenzutreten, was ihm am meisten Angst machte.
Er wendete all seine Energie auf, um aufzustehen, um sich umzudrehen und um eine Salve seiner Flechettepistole in die Gitterroste zu jagen, just in dem Moment, als sie nachgaben, und der Zerg, halb in Wynnes Gestalt, von oben auf ihn herabstürzte.
Überall war Blut. Wynnes Gesicht starrte ihn an, bevor es sich in eine fleischige Protoplasmamasse verwandelte. Walden schob es von sich, als er aufstand. Und dann ...
"Sergeant Briggs, sind Sie dort unten?", fragte eine Stimme von oben.
"Korrekt … und ich bin das einzige, was hier unten noch lebt."
E
s waren jedes Mal diese verdammten KMs. Gerade jetzt, in einer der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte, währened zwei außerirdische Bedrohungen den Koprulu-Sektor in Schutt und Asche legten, fiel den Kel-Morianern nichts Besseres ein, als den Ressourcenabbau der Terranischen Liga zu gefährden.
Als Walden die Leiter zum Hauptdock des Reaktorkerns wieder hinaufgeklettert war, war er erschöpft, emotional und körperlich. Er war nicht wirklich in der Verfassung, das zu verarbeiten, was er als nächstes sah. Ein Team von Liga-Wissenschaftlern stand mit verschränkten Armen zu seinem Empfang bereit, als ob sie dort bereits die ganze Zeit gewartet hätten. Neben den Wissenschaftlern stand ein komplettes Aufgebot an Space-Marines, ausgerüstet mit energiebetriebenen Kampfanzügen und Gaußgewehren. Auf dem Boden, in einem Meer aus Blut, lag Jenkins, tot.
"Atmen Sie erst einmal tief durch, Sergeant Briggs. Sie haben der Liga einen großen Dienst erwiesen. Das, auf das Sie da gestoßen sind, nennen wir einen 'Formling'. Die Königin der Klingen hat viel Energie in die Überarbeitung und den Ausbau der Fähigkeiten ihrer widerwärtigen Rasse investiert.
"Was zur Hölle geht hier vor?", sagte Walden und versuchte die Situation zu ergründen. "Wo kommt dieses Squadron her? Das ist nicht der Sicherheitsdienst: Die sind vom Corps!"
"Atmen Sie erst einmal tief durch, Sergeant Briggs. Sie haben der Liga einen großen Dienst erwiesen. Das, auf das Sie da gestoßen sind, nennen wir einen 'Formling'. Die Königin der Klingen hat viel Energie in die Überarbeitung und den Ausbau der Fähigkeiten ihrer widerwärtigen Rasse investiert.
"Sie … Sie kennen diese Dinger? Scheiße, was zur Hölle ist mit Jenkins passiert?" Walden hatte in den letzten Stunden zu viel durchgemacht, um dem Wissenschaftler, dessen Uniform ihn klar als Offizier, als einen Captain, identifizierte, mit dem gebotenen, militärischen Respekt zu begegnen.
"Passen Sie auf, was Sie sagen, Sergeant", sprach einer der Marines. Er hatte das wonnevolle Aussehen eines resozialisierten Verbrechers, der aus dem Gefängnis für den Einsatz im Militär bestimmt worden war. Walden hatte immer an das Resozialisierungsprogramm geglaubt. Die Liga sagte, man würde Kriminelle nehmen und ihnen neue Hoffnung schenken, ihnen einen Neuanfang gewähren. Doch die Marines hier sahen nicht viel anders aus als die Kriminellen, die er in den heruntergekommenen Slums von Tarsonis getroffen hatte, bevor die Zerg den Planeten überrannten. Und ganz bestimmt nicht in diesem Moment, da sie ihre Gewehre auf ihn richteten, einen Sergeant des Marine Corps, der gerade durch die Hölle gegangen war.
"Übergeben Sie Ihre Waffe, Sergeant, wir möchten Ihnen nur ein paar Fragen über Ihr Erlebnis stellen", sagte der Wissenschaftler und streckte seine Hand aus. "Wir müssen so viel wie möglich über diese Formlinge erfahren. Sie können das Aussehen unserer Soldaten annehmen und unsere Einrichtungen infiltrieren. Sie senden sogar psionische Reize aus, die uns glauben machen, dass alles bestens sei. Da handelt es sich um einen sehr gefährlichen Feind, finden Sie nicht? Einen, über den wir alles wissen müssen, um die Sicherheit der Liga zu gewährleisten. Ihre Akte verweist auf extreme Loyalität ... Das war einer der Gründe dafür, warum sie - das Zeta-Squadron - ausgewählt wurden. Und nun, bitte, Ihre Waffe."
"Was ist mit Jenkins passiert?", fragte Walden erneut und wich in Richtung der kalten Metallwand hinter ihm zurück. Sein Verstand entglitt ihm allmählich.
"Corporal Jenkins musste neutralisiert werden. Er hatte sich einem befehlshabenden Offizier verweigert. Ich fordere Sie ein weiteres Mal auf, Sergeant: Händigen Sie Ihre Waffe aus." Der Captain streckte nachdrücklich seine Hand aus.
"Nein … oh, nein." Jetzt ergab alles einen Sinn: die Mission, die so vollkommen abwegig erschien, Hendrix, die während der Hauptzeit stillgelegte Mine, alles. "Diese ganze Sache ... das war so eine Art Experiment. Damit Sie sehen können, wie so was abläuft?"
"Nun, wir konnten ja keine Resos nehmen, oder? Wir mussten sehen, wie anpassungsfähig diese Formlinge sind. Sergeant, die Liga muss schwere Entscheidungen treffen, um ihre Bevölkerung zu schützen. Wir leben in finsteren Zeiten und müssen zu extremen Mitteln greifen." Seine Worte trafen Walden schwer. "Und jetzt übergeben Sie ..."
Erst jetzt, da das ganze Universum dunkel wurde, begriff Walden, dass die Dinge nicht immer so waren, wie sie schienen. Im Universum gab es Zerg, die aussahen wie Menschen, und Menschen, die weit schlimmer waren als die Zerg.
BAMM!
Es brauchte nur einen Schuss, um ihn zum Schweigen zu bringen. Ein Schuss, um diesen Worten, die wie Hohn des Schicksals klangen, ein Ende zu setzen. Sein ganzes Leben hatte Walden das Universum nur in schwarz und weiß betrachtet; so war es viel einfacher. Der Formling sah genauso aus wie Hendrix. Als wäre er einer von uns. Dieser Gedanke ließ ihn noch lächeln, als sein Körper von 8-mm-Projektilen durchsiebt wurde.
Sein Körper wurde von den Schüssen der Marines auseinandergerissen, doch aus irgendeinem Grund konnte er nur an den UNN-Bericht über Jim Raynor denken, der schon so lange die Gräueltaten der Liga angeprangert hatte. Erst jetzt, da das ganze Universum dunkel wurde, begriff Walden, dass die Dinge nicht immer so waren, wie sie schienen. Im Universum gab es Zerg, die aussahen wie Menschen, und Menschen, die weit schlimmer waren als die Zerg.
"Der Bastard hat den Captain erschossen!", rief einer der Marines.
"Zur Hölle, eine verdammte Schande ist das", sagte einer der Wissenschaftler und ignorierte den Soldaten. "Wir hätten wirklich ein paar Informationen von dem hier gebrauchen können."
"Nicht weiter wild", erwiderte ein anderer Wissenschaftler und wischte die Blutspritzer von seinem Labormantel. "Wir haben noch zwei Formlinge in Stasis. Das Tau-Squadron befindet sich in erreichbarer Nähe."
"Leitet alles in die Wege", sagte der erste Wissenschaftler und machte auf dem Absatz kehrt. "Und räumt die Schweinerei hier auf."


